Heute feiert unser Startup ekipa offiziell sein „zweijähriges“ Jubiläum. Nach turbulenten 12 Monaten ist es an der Zeit, ein zweites Fazit zu ziehen.

Als ich vor ziemlich genau einem Jahr im Goethe-Unibator saß und mein erstes Jahres-Fazit gezogen habe, machte ich mir selbstverständlich im gleichen Atemzug auch Gedanken darüber, wie wohl das zweite Jahr als Gründer aussehen würde:

  • Kommen die gleichen Herausforderungen auf uns zu?
  • Werden wir uns als Menschen weiterhin so stark weiterentwickeln und an unseren Herausforderungen wachsen?
  • Oder wird alles, was wir uns gemeinsam aufgebaut haben, wie ein Kartenhaus zusammenfallen?

Nach dem ersten Jahr voller spannender Erfahrungen und vieler Erfolge bin ich frohen Mutes in mein zweites Jahr als Gründer gegangen – gewillt, noch mehr Innovationen anzustoßen!

Doch dass diese 366 Tage so verlaufen, hätte ich mir letztes Jahr um diese Zeit nicht ansatzweise ausmalen können.

Dass wir eine globale Krise und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen überleben, obwohl mehrere geplante Großprojekte auf Eis gelegt werden, über mehrere Wochen und Monate als ganzes Team aus dem Home Office arbeiten und wir drei komplett neue Innovationsformate auf den Markt bringen, war weder unser Plan, noch in irgendeiner Art und Weise abzusehen.

Aber von vorn:

Die Arbeit wird weniger vs. Die Arbeit wird anders

Ein befreundeter, erfahrener Gründer sagte mir vor 1,5 Jahren, als wir mal wieder spät abends im Büro saßen:

Mach dir keine Sorgen. Die ersten 2-3 Jahre, die du an deinem Startup arbeitest, sind die härtesten. Aber du wirst merken, dass es weniger wird.

Unser Startup wurde zwar offiziell erst im Juli 2018 gegründet, jedoch haben wir zu diesem Zeitpunkt schon fast ein ganzes Jahr in Vollzeit an der Idee gearbeitet. Und so viel vorab: Es wurde nicht weniger. Das mag an unserer Philosophie liegen, dass man, wenn man etwas anfängt, es auch mit voller Hingabe durchziehen muss. Das kann auch daran liegen, dass Wachstum auch immer mit viel Arbeit verbunden ist. Fakt ist: Ich kann zwar genauso wenig in die Zukunft sehen, wie ich es letztes Jahr konnte, aber bisher ist die Arbeit nicht weniger geworden. Jedoch wurde sie anders. Wenn ein Unternehmen und somit auch das Team wächst, verändern sich auch die Aufgaben des Gründers. Man ist plötzlich nicht mehr derjenige, der jedes einzelne Telefonat mit Kunden, Partnern oder anderen externen Stakeholdern führt.

Man treibt nicht mehr jeden Prozess selbst operativ voran. Man stellt sich plötzlich vollkommen andere Fragen:

  • Was kann ich tun, um diesen oder jenen Prozess effizienter zu gestalten?
  • Wie muss das Team aufgestellt sein, damit wir weiterwachsen und die Bedürfnisse unserer Kunden erfüllen können?
  • Welche Rahmenbedingungen müssen wir erfüllen, damit sich jeder Einzelne aus unserem Team maximal weiterentwickeln kann?

We rise by lifting others

Und damit sind wir bei einem für mich persönlich sehr wichtigen Thema. Zeitsprung 9 Monate in die Vergangenheit: Ich sitze mit meinem Mitgründer Nico und unserem Mentor Jonas Keller in einer abgelegenen Hütte mitten im Schwarzwald. Offsite. Zeit, um zu reflektieren und gleichzeitig nach vorne zu schauen. Jonas fordert uns dazu auf, einen Tagebucheintrag zu schreiben. Datiert auf den 31.12.2022. Thema: Wo stehen wir mit ekipa? Nachdem jeder für sich einen eigenen Tagebucheintrag geschrieben hat, lesen wir uns das Geschriebene gegenseitig vor und analysieren gemeinsam, was uns antreibt und welche Ziele wir verfolgen.

Das Fazit meiner Reflexion wurde mir mal wieder deutlich vor Augen geführt: Impact.

Seit Start der ekipa-Reise ist es meine größte Motivation, einen Impact zu generieren. Impact auf Menschen, denen wir die Chance bieten, ihr eigenes Wissen und Potenzial in der Realität zu entfalten. Impact auf Unternehmen, denen wir dabei helfen, neue Innovationen anzustoßen und umzusetzen. Aber allem voran: Einen Impact auf unser eigenes Team.

Nichts erfüllt mich als Gründer mehr, als diesen Impact vor Augen zu sehen. Und ich könnte unzählige Momente aufzählen, bei denen ich diesen Impact greifbar spüren kann. Jedes Mal, wenn ich sehe, wie jemand aus unserem Team den nächsten Schritt geht, mehr Verantwortung übernimmt, Innovationsprojekte mit großen Unternehmen erfolgreich umsetzt, wachse ich selbst am meisten. Und mit diesem Impact stehen wir gerade erst am Anfang.

Resilienz in der Krise

Für einen Anbieter von Innovationsprojekten gibt es weitaus hilfreichere globale Mega-Trends als eine Pandemie.

Denn für die meisten großen Unternehmen standen Investitionen in neue Ideen, Perspektiven, Impulse und Innovationen von außen (vorsichtig formuliert) nicht ganz weit oben auf der Agenda.

Ich erinnere mich noch sehr genau an einen Freitag Anfang März. Innerhalb von einer Stunde habe ich mit zwei Kunden bezüglich der anstehenden Projekte gesprochen. Beide wurden kundenseitig auf Eis gelegt. Innerhalb von einer Stunde habe ich das erste Mal realisiert, welche Auswirkungen Corona für uns haben könnte. Innerhalb von einer Stunde habe ich mich gefragt:

Was passiert, wenn wir dieses Jahr keinen Kunden mehr gewinnen?

Wir entschlossen uns, schnell zu handeln: Krisen-Meeting, Finanzplanung, Szenarien. Ziemlich schnell war klar, wie wir vorgehen. Am Montag darauf haben wir uns mit unserem Team zusammengesetzt. Die klare Botschaft: Niemand verliert seine Anstellung. Niemand geht vorerst in Kurzarbeit. Wir kommen da zusammen durch!

Der Grundstein für diese Entscheidung wurde tatsächlich schon viele Monate zuvor gelegt.

Die Ausgangssituation: Unser Offsite im Oktober 2019. Das Stichwort: Resilienz.

Nach drei sehr erfolgreichen Quartalen stellten wir uns mit Blick auf das neue Jahr zwei Fragen: Wie können wir mit unserer grundsätzliche Value Proposition unseren Kunden noch individueller helfen, erfolgreiche Innovationen anzustoßen und umzusetzen? Und wie schaffen wir es, eine Unternehmensstruktur zu bauen, die auch unvorhersehbare Ereignisse übersteht?
Die Antwort: Wir müssen flexibler werden und in der Lage sein, mit unserem grundsätzlichen Ansatz individuellere Formate und somit Produkte für unsere Kunden zu entwickeln. Also machten wir uns daran, genau solche Formate zu entwickeln und neben unserem Hauptprodukt – der Innovation Challenge mit mehreren analogen Events – auch kleinere, flexiblere, komplett digital durchführbare Innovationsformate zu konzipieren. In einer Krise, in der Vor-Ort Projekte vom einen auf den anderen Tag nicht mehr möglich sind, waren wir somit in der Lage, sehr schnell zu handeln und all unsere Formate komplett digital umzusetzen. Ich würde uns heute zwar nicht als „Gewinner der Krise“ bezeichnen, aber wir haben es geschafft, die ersten Monate zu überstehen und sogar mehrere große wie kleine Innovationsprojekte mit bestehenden und neuen Kunden umzusetzen. Das macht mich stolz.

Ein eigenes Büro ist eine andere Welt

Mit Wachstum gehen auch neue Herausforderungen einher. Wir sind dem Goethe-Unibator bis heute extrem dankbar für die Chance, dort den Grundstein für unser Unternehmen zu legen und in einem eigenen Raum (mit eigener Postanschrift) die ersten Projekte umzusetzen. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem man als Unternehmen ein komplett eigenes Büro benötigt. Bei uns war dieser Moment gekommen, als wir das erste Mal mit 8 Personen in einem Raum mit 6 Stühlen und 4 Tischen saßen. Vielleicht sollten wir uns mal nach einem eigenen Büro umschauen?

Nach über 20 Besichtigungen von mehr oder weniger passenden Flächen entschieden wir uns für ein Objekt, das all unsere Anforderungen mehr als erfüllte: Wir landeten in der Kaiserstraße im Herzen Frankfurts. Nach einigen Wochen Verzögerung durch die Pandemie zogen wir also vor 2 Monaten in unser erstes eigenes Büro. Was sich vorher nur wie eine „Änderung der Postanschrift und mehr Platz“ anfühlte, war wie eine neue Welt!

  • Plötzlich hat man einen Meeting-Raum komplett für sich allein.
  • Plötzlich hat jeder aus dem Team einen eigenen Arbeitsplatz, einen eigenen Monitor und sogar einen eigenen Stuhl!
  • Plötzlich hat man jeden Monat extrem gestiegene Kosten für Miete & Infrastruktur!

Mein Fazit:

In einem komplett eigenen Büro zu sitzen, eine repräsentative Location für Kunden und Partner zu haben, fühlt sich für uns alle wie eine neue Welt an.

Und ich bin jeden Morgen, wenn ich vom Willy-Brandt-Platz durch den Park in die Kaiserstraße laufe, unglaublich stolz und dankbar dafür, dass wir diesen für uns rieseigen Schritt in diese neue Welt gehen dürfen.

Wie ein altes Ehepaar

Im September ist es 5 Jahre her, dass ich meinen Mitgründer Nico kennenlernte. Trotz gleichem Studiengang und Fachsemester lernten wir uns bei einem Praktikum bei EY kennen. Zwei Monate später gründeten wir das erste Mal gemeinsam. Damals eine studentische Organisation. In den letzten 5 Jahren habe ich Nico grob geschätzt durchschnittlich 12 Stunden am Tag, 5-6 Tage pro Woche gesehen. In unseren zwei Jahren im Unibator saßen wir noch Rücken an Rücken. In unserem neuen Büro sitzen wir Face-to-Face. Ich habe Nico in dieser Zeit wohl häufiger gesehen als meine Familie, Freundin und drei besten Freunde zusammen. Im Leben begegnet man glaube ich nur sehr selten Personen, bei denen man sich vorstellen kann, so viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Und doch glaube ich, dass Nico und ich uns zwar nicht gesucht, aber doch irgendwie gefunden haben.

Wir wurden schon häufiger gefragt, wie es denn funktionieren kann, dass man so intensiv zusammenarbeitet und sich so häufig sieht. Das hat aus meiner Sicht drei Gründe:

  1. Wir verfolgen das gleiche Ziel mit den gleichen Werten und der gleichen Einstellung
  2. Wir haben den gleichen Humor (und den braucht man, wenn man jeden Tag so sehr aufeinander sitzt)
  3. Wir bringen vollkommen unterschiedliche Stärken und Schwächen mit, die sich oftmals gegenseitig ausgleichen

Und so kommt es, dass wir in den vergangenen Jahren noch nie eine Situation hatten, in der wir trotz unterschiedlicher Ansichten am Ende nicht doch eine Entscheidung gemeinsam getroffen haben, die wir auch gemeinsam in aller Konsequenz mittragen.

Ich bin unglaublich fasziniert davon, wie Nico es mit seinem strukturierten, analytischen Denken schafft, unsere (doch sehr komplex gewordene) Welt mit allen Prozessen, Strukturen und Stakeholdern herunterzubrechen und alles immer wieder zu hinterfragen, um am Ende auf Lösungen zu kommen, an die ich nicht ansatzweise gedacht hätte. So macht er ekipa jeden Tag besser.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass es diese Konstellation gibt und bin der festen Überzeugung, dass sie noch lange bestehen wird. Vielleicht arbeiten wir bis zur Rente zusammen. Wer weiß?

Fazit

Dass ein Startup mit vielen Höhen und Tiefen verbunden ist, sollte man wissen, bevor man sich auf diese Achterbahnfahrt einlässt. Wie turbulent diese Fahrt werden kann, haben vor allem die letzten Monate gezeigt. Fakt ist:

Ich sitze nicht allein in dieser Achterbahn.

Wir haben ein großartiges Team mit unterschiedlichen Backgrounds, Ansichten und Perspektiven. Und sie haben alle eins gemeinsam. Sie verfolgen genauso ambitioniert unsere gemeinsame Vision wie wir Gründer. Ich bin unendlich dankbar dafür, mit diesem Team einen Impact zu erzielen und ich werde alles dafür tun, dass der Impact auf jeden Einzelnen der ekipa-Family so groß ist, wie es nur geht. 2 Jahre als Gründer sind im Vergleich zu einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ca. 80 Jahren nicht wirklich viel. Aber nach den vergangenen zwei Jahren bin ich mir mehr als sicher: Diese Zeit hat nicht nur mein Leben verändert – sie ist der Grundstein für den Großteil meines gesamten restlichen Lebens. Immer, wenn ich in der Vergangenheit wegweisende Entscheidungen treffe musste, stelle ich mir die Frage, wie ich wohl als alter Mann auf diese Entscheidung zurückblicken würde. Bei dieser Entscheidung bin ich mir heute mehr als sicher: Ich werde später mit einem breiten Grinsen darauf zurückblicken. Wer weiß, wie weit die Reise noch geht und welchen großartigen Menschen ich auf der ekipa-Reise noch begegnen werde. Die letzten zwei Jahre kann und wird mir niemand mehr nehmen.

Danke, ekipa.

Happy Birthday!

Leave a Reply