Das erste Jahr "Gründer" - Ein Fazit


Justin Gemeri
Co-Founder




Heute vor einem Jahr habe ich gemeinsam mit meinen beiden Mitgründern mein erstes Unternehmen gegründet – Zeit, um dieses Jahr Revue passieren zu lassen.

Hätte man mich in den ersten 22 Jahren meines Lebens gefragt, was ich einmal werden möchte, wäre „Gründer“ vermutlich eine der letzten Antworten gewesen, die dabei herausgekommen wären.
Nach dem Kindheitstraum „Fußballer“ war in meiner Jugend vor allem der Beruf „Pilot“ am spannendsten.

Über mehrere Umwege landete ich letztendlich an der Goethe-Universität in Frankfurt. Dass das dort begonnene Studium der Wirtschaftswissenschaften nicht nur als „Übergang, bis die Lufthansa wieder Piloten ausbildet“ dient, sondern einen maßgeblichen Grundstein für die nächsten Jahre meines Lebens darstellt, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.

Der Ursprung

Um nach Abschluss des Studiums mit einem möglichst guten CV dazustehen, wollte ich während des Studiums mehrere Praktika absolvieren. Somit landete ich im Sommer 2015 in der Wirtschaftsprüfung von EY. An meinem ersten Arbeitstag dort lernte ich Nico kennen, der ebenfalls Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität studierte und ein Praktikum bei EY absolvierte, um seinen Lebenslauf zu pflegen und erste Berufserfahrung zu sammeln. Dass ich von diesem Tag an Nico in den nächsten 5 Jahren häufiger sehen würde als meine Freundin, meine Freunde und meine Familie summiert, konnte ich damals noch nicht ahnen.

Nachdem das Praktikum absolviert war und wir wieder in den Studienalltag zurückkehrten, beschlossen wir kurze Zeit später, eine sogenannte „Studentische Initiative“ zu gründen.

Dieser Verein mit dem Namen „impress!“ e.V. entstand aus der Idee, dass wir selbst im Studium kaum Gelegenheit hatten, an unseren rhetorischen und kommunikativen Fähigkeiten zu arbeiten.
Wir gründeten also den Verein, suchten uns knapp 10 Gleichgesinnte und begannen, eine Anlaufstelle an der Goethe-Universität zu schaffen, an der Studierende, unabhängig ihres Fachbereichs oder ihrer Erfahrung, an regelmäßigen, interaktiven Events teilnehmen konnten, bei denen erfahrene Führungskräfte, Redner und Trainer gemeinsam mit den Teilnehmern Übungen Learnings rund um diese Themen aufarbeiteten.

Nachdem wir diesen Verein knapp 1,5 Jahre aufgebaut und in dieser Zeit nicht nur mit großen Unternehmen wie Vodafone, der Deutschen Börse oder dem Jumeirah Hotel zusammengearbeitet haben, sondern auch unseren Gastredner Gregor Gysi als „Chauffeur“ vom Flughafen zu unserer Location fahren durften, fragten wir uns zum Ende des Studiums im Sommer 2017, wie es weitergehen solle.

Nach dem Studium gründen?

Naiv, wie wir waren, war die Antwort sehr schnell klar:

„So viel anspruchsvoller als ein studentischer Verein kann die Gründung eines Startups ja nicht sein“.

Angetrieben von dem unbändigen Willen, etwas aufzubauen, zu erschaffen, zu kreieren, begannen wir mit dem Aufbau einer größeren Idee: Der Startschuss für ekipa.

Nachdem wir die ersten 8 Monate zu zweit in einer Abstellkammer von Nicos Wohnung an der Idee arbeiteten, wurden wir im Januar 2018 in den Inkubator der Goethe-Universität aufgenommen und lernten zur gleichen Zeit Linh kennen, der kurzerhand Teil des Gründerteams wurde.

Justin Gemeri, Nico Heby, Linh Phung

Die Idee

Nach und nach reifte die Idee und das Gründungsvorhaben wurde konkreter: Wir wollten der digitalen Generation eine Möglichkeit bieten, ihr eigenes Innovationspotenzial zu entfalten, das gelernte Wissen in die Praxis umzusetzen und in Kontakt zu spannenden Unternehmen und Organisationen zu kommen.

Der Plan: Wir entwickeln eine Online-Plattform, auf der Digital Natives neue Ideen, Ansätze und Lösungen für Fragestellungen, Herausforderungen und Probleme von großen Unternehmen und Organisationen entwickeln; abgewickelt in Form von sogenannten Innovation Challenges.

Da saßen wir nun also am 31. Juli 2018 beim Notar und unterzeichneten die Unterlagen für die Gründung der ekipa GmbH. Die Voraussetzungen zu diesem Zeitpunkt waren rückblickend (vorsichtig formuliert) nicht optimal.
Kurz zuvor wurde unser Antrag für das Exist-Gründerstipendium abgelehnt, wir hatten noch keinen Kunden, niemand von uns hatte bis zu diesem Zeitpunkt Gründungserfahrung, und eine externe Finanzierung schlossen wir auch aus.

Das Fazit

Wenn ich nun, ein Jahr später, auf dieses Jahr zurückblicke, schwanke ich zwischen Ungläubigkeit, Dankbarkeit und auch ein bisschen bisschen Stolz.

Ungläubigkeit, weil ich vor einem Jahr niemals gedacht hätte, dass wir in diesem Jahr mit Unternehmen wie der FAZ, Merck, der Deutschen Bahn oder EnBW zusammenarbeiten und Challenges umsetzen, die einen wirklichen Impact haben. Und zwar nicht nur auf Unternehmen, sondern auch auf Menschen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

Dankbarkeit empfinde ich vor allem für meine Mitgründer und unser mittlerweile 14-köpfiges Team.
Als ich Nico vor 4 Jahren kennen lernte und wir gemeinsam anfingen, an unserer ersten Idee zu arbeiten, merkten wir sehr schnell, dass wir uns ganz gut ergänzen. Dass es allerdings so gut passt, dass wir uns nach 4 Jahren und mindestens 50-60 Stunden gemeinsam verbrachter Zeit pro Woche immer noch gut verstehen – ich glaube, dies ist nicht so häufig der Fall.


Ich kann bis heute nicht verstehen, wie ein einziger Mensch wie Linh in der Lage war, eine funktionierende Online-Plattform komplett alleine innerhalb von 4 Monaten zu entwickeln und diese exakt zum frühzeitig festgelegten Launch-Datum zum Laufen zu bringen. Davor ziehe ich meinen Hut!


Dass wir mittlerweile noch 11 Mitstreiter gefunden haben, die unsere gemeinsame Vision teilen und jeden Tag alles dafür tun, dass wir der Vision ein kleines Stück näherkommen war für mich vor einem Jahr noch unvorstellbar. Mittlerweile ist dies einer der Hauptgründer für mich, warum ich jeden Tag glücklich ins Büro komme und dieses auch abends (oder teilweise nachts) glücklich verlasse.

Und zu guter Letzt bin ich auch ein wenig stolz:
Als ich vor einiger Zeit in einem Podcast gefragt wurde, ob ich auf das bisher Erreichte stolz bin, antwortete ich ganz klar mit einem nein. Erinnerst du dich, Maxine?
Stolz auf das bisher Erreichte zu sein, fällt mir nach wie vor schwer.
Auf eine Sache bin ich in diesem Kontext allerdings sehr stolz: Und zwar darauf, nach Abschluss meines Studiums die absolut richtige Entscheidung getroffen zu haben und selbst ein Unternehmen zu gründen.

Die vergangenen 365 Tage waren die mit Abstand intensivsten meines bisherigen Lebens. Von durchgearbeiteten Nächten, über Versagens- und Existenzängste bis hin zu Jubelausbrüchen, als unsere ersten Kunden uns zugesagt haben, war emotional alles dabei. Und ich bereute keine Sekunde davon.

Mittlerweile verstehe ich immer mehr die Aussage von einem unserer Mentoren, Bastian Bahnemann:

„Ein Unternehmen aufzubauen ist wie eine Achterbahnfahrt, die nie aufhört und bei der es immer genau dann nach oben oder unten geht, wenn man es nicht erwartet. Man darf nur das Ziel nicht aus den Augen verlieren.“

Mittlerweile glaube ich, dass es kein finales Ziel gibt, sondern der Weg das Ziel sein sollte. Aber vielleicht sehe ich das ja in einem Jahr schon ganz anders.

Auf die nächsten 365 Tage!