Seit einiger Zeit ist Open Innovation im Innovationsmanagement in aller Munde. Kaum ein Unternehmen mit eigener Innovations- oder R&D Abteilung hat sich noch nicht mit dem Gedanken beschäftigt, eigene OI Aktivitäten durchzuführen oder mit externen Anbietern zusammenzuarbeiten. 

Und dies zurecht: Steigende Komplexität, kürzere Produktlebenszyklen und der rasche Wandel sorgen für einen immer größer werdenden Innovationsdruck. 

Dabei müssen sich die Innovationsentscheider etablierter Unternehmen immer wieder die Frage stellen, ob Wissen intern exklusiv aufgebaut werden soll oder Wissen, Fähigkeiten, Erfahrung und Ressourcen von außen hinzugezogen werden sollten. Während es bis vor einigen Jahren noch allgegenwärtig war, die R&D Aktivitäten unter strengster Geheimhaltung ausschließlich intern anzustoßen und umzusetzen, hat sich diese Einstellung bei vielen Unternehmen – vor allem bei Vorreitern wie Procter & Gamble von Grund auf geändert. 

Doch trotz des aktuell aufkommenden Hypes um Open Innovation ist Vorsicht geboten: Wer sinnvoll und effektiv seinen Innovationsprozess nach außen öffnen möchte, sollte dies mit einem strategischen Ansatz tun. Dabei genügt es nicht, einfach mal eine Fragestellung auf einem sozialen Netzwerk zu posten und zu hoffen, dass die „Fans“ des eigenen Unternehmens innovative Lösungen liefern. Für eine erfolgreiche Open Innovation Strategie, die über den Hype hinaus einen nachhaltigen Mehrwert erzielen soll, wird mehr benötigt: 

Die Zielgruppe 

Wenn ein Unternehmen sich dazu entscheidet, seinen Innovationsprozess nach außen zu öffnen, sollte es sich zuerst die Frage stellen: Für wen? Denn bei der Einbindung externer Zielgruppen gibt es zahlreiche Möglichkeiten.

Man kann eigene Lieferanten oder auch Firmenkunden in strategische Fragestellungen mit einbinden. Dies empfiehlt sich vor allem bei Innovationsprojekten entlang der Supply Chain oder im Rahmen der Client Journey. Wenn bspw. ein B2B Software-Unternehmen die Usability seiner Produkte optimieren möchte, empfiehlt es sich, die eigenen Kunden bereits in den Ideation und später auch Validation Prozess miteinzubeziehen, um eine kundenzentrierte Lösung zu entwickeln. 

Bei forschungsintensiven oder wissenschaftlichen Fragestellungen und Projekten empfehlen sich Kooperationen mit Universitäten oder Instituten, die auf die jeweiligen Disziplinen spezialisiert sind. Hier ist fundiertes Know-How bereits vorhanden und muss nicht von Grund auf geschaffen werden, sodass effizient neue Lösungen kollaborativ und interdisziplinär entwickelt werden können. 

Sind Out-of-the-Box Ideen und Lösungen gefragt, sollte man sich bewusst für Zielgruppen und Stakeholder entscheiden, die nicht bereits zu tief im Thema drin sind. Aus unserer Erfahrung heraus lassen sich bspw. unterschiedliche Disziplinen erfahrener und weniger erfahrener Teilnehmer sehr effektiv miteinander kombinieren, um kreative, aber auch fundierte Out-of-the-Box Innovationen zu entwickeln. 

Das richtige Framework 

Hat man die für seine Ziele richtigen Zielgruppen definiert, genügt es nicht, ihnen die Herausforderung zu präsentieren und auf sinnvolle Lösungen zu hoffen: Nur unter den richtigen Rahmenbedingungen kann eine für alle Beteiligten sinnvolle Kollaboration aufgesetzt werden. Man sollte sich bereits frühzeitig über zielgruppengerechte Benefits und somit eine Incentivierungsstruktur im Klaren werden: What’s in for the participants?

Bei Open Innovation Projekten mit Startups oder Lieferanten empfehlen sich hier vor allem Aussichten auf weiterführende Kooperationen: „Wenn ihr mit uns gemeinsam innovative Lösungen entwickelt, werden wir auch langfristig mit euch zusammenarbeiten!“ Somit ist bspw. für teilnehmende Startups oder Lieferanten bereits während dem Projekt klar wofür sich der Aufwand langfristig auszahlen kann.  

Bei der Einbeziehung von Kundengruppen in OI Projekten sollten – unabhängig von der Branche oder einem B2B/B2C Fokus – ebenfalls die richtigen Incentivierungsstrukturen vor Projektstart gesetzt werden. 

Neben dem Benefit, dass man Produkte mitentwickelt, die man später selbst nutzen wird, können weitere Anreize in Form von Preisgeldern, Prämien oder dem früheren Zugang zu zukünftigen Produkten ausgerufen werden, um die Motivation der Teilnehmer zu maximieren und somit den Projekterfolg zu gewährleisten.

Wem gehören die Rechte an den entwickelten Lösungen? Wie sieht es mit Geheimhaltung vertraulicher Informationen aus, die ich den Teilnehmen zur fundierten Entwicklung zur Verfügung stelle? Was passiert mit Lösungen, die sich im Prozess nicht durchsetzen? Wer sich bereits frühzeitig mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzt, wird nicht nur bessere Teilnehmer für seine Open Innovation Projekte generieren, sondern auch langfristig einen größeren Erfolg erzielen. 

Fazit 

Open Innovation ist aktuell in vielerlei Hinsicht noch ein Hype: Viele testen es aus, manche werden es wiederholen und wenige werden es etablieren. Wie bei jedem Hype wird es auch bei Open Innovation Gewinner und Verlierer geben. 

Ich bin überzeugt davon, dass diejenigen den größtmöglichen Erfolg mit ihren Open Innovation Aktivitäten erzielen, die von Anfang an eine fundierte Strategie entwickeln und mit den richtigen Partnern zusammenarbeiten. Sobald die richtigen Rahmenbedingungen gegeben sind, kann Open Innovation in den unsicheren und digitalen Zeiten ein Tool für nachhaltigen Erfolg sein. 

 

Geschrieben von Justin Gemeri, Co-founder von ekipa

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